Architektin plant fünf neue Tiny Häuser
Freitag, 22. August 2025, Rhein-Zeitung Kreis Neuwied / Lokales
Von Stephanie Mersmann
Die Kölnerin Mirjam Pell arbeitet an Minihäusern in Niederbreitbach – Darum sind diese für viele so faszinierend Niederbreitbach. In einem Neubaugebiet auf einer kleinen Anhöhe in Niederbreitbach könnten die ersten Tiny Häuser von Mirjam Pell stehen.
Eigentlich arbeitet die Kölner Architektin meistens an deutlich größeren Projekten, aktuell etwa ist sie Fachplanerin für die Innenarchitektur der Kölner Zentralbibliothek, auf acht Jahre ist das Vorhaben veranschlagt. Auch vom Erzbistum Köln hat sie gerade wieder „einen schönen neuen Auftrag erhalten“, sagt sie. Jetzt wird es aber einige Nummern
kleiner. Und das im Kreis Neuwied.
In Niederbreitbach will Pell zusammen mit einer Partnerfirma fünf Tiny Häuser bauen. Sie selbst hat die Grundidee entwickelt und ist die Planerin und Designerin, die Firma baut dann und verkauft die Häuser. Eine Baugenehmigung hat sie für diese noch nicht, die grundsätzliche Zustimmung der Gemeindeaber schon, sagt sie. Aus drei nebeneinanderliegenden
Grundstücken in dem Baugebiet „Auf der Helden“ werden dann fünf für die kleineren Häuser. „Die Häuser sollen ähnlich sein, aber es wird auch Unterschiede geben“, sagt Mirjam Pell. Allein schon, was die Größe angeht.
Das Kleinste ist am ehesten ein klassisches Tiny Haus: Knapp 70 Quadratmeter soll dieses umfassen, mit einem Wohn-/Essbereich, einem Schlafzimmer, einem kleinen Bad und einem noch kleineren Technikraum. Gemein ist allen Häusern die große Terrasse.
Das größte Haus könnte schon 120 Quadratmeter haben, ist also durchaus ein kleines, aber eigentlich kein Tiny Haus. Alle Häuser sind aber in der Regel nicht unterkellert, und die Wände sind vorgefertigt. „In ein paar Tagen sind die Häuser dann aufgebaut, dann kommt noch der Innenausbau. Unterm Strich sind die Häuser dadurch deutlich preiswerter – und das ist ein Faktor, der Tiny Häuser für viele so interessant macht.
„Bauen ist unglaublich teuer geworden“, sagt Mirjam Pell, die auch schon klassische Einfamilienhäuser entwarf und bauen ließ. „Der Preis hat sich oft verdoppelt, und viele haben Angst vor weiteren Kostensteigerungen, die es während eines Hausbaus geben kann.“ Ein reguläres Architektenhaus könnten sich viele gar nicht mehr leisten, und allein das macht Tiny Häuser
zu einer Option. Aber auch ein weiterer Aspekt spielt eine Rolle, ist sich Pell sicher. „Viele wollen sich reduzieren, sich aufs Wesentliche konzentrieren.“ Sei es, weil Menschen nicht mehr in ihrem Riesenhaus mit Garten bleiben wollen, wenn die Kinder ausgezogen sind, weil sie den Unterhalt einfach nicht mehr schaffen im Alter oder wegen eines allgemeinen Trends zum Minimalismus. Und: „Nicht jeder alte Mensch möchte in eine Wohnung ziehen, wenn er sein Leben lang in einem Haus gelebt hat.“
Das Projekt in Niederbreitbach geht jedenfalls gerade erst los. Für Mirjam Pell ist es reizvoll, neben den langfristigen auch schnellere Projekte umzusetzen. Dass die Kölnerin dafür in Niederbreitbach gelandet ist, ist kein wirklicher Zufall: „Studiert habe ich in Koblenz, und ich komme aus Rengsdorf. Da gab es immer eine Verbindung.“